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Vaginale Infektionen und Scheidenpilz: Ursachen, Symptome und Behandlung

· Dipl.-Med. Kristin Schmid
Vaginale Infektionen und Scheidenpilz: Ursachen, Symptome und Behandlung

Kaum ein Thema beschäftigt Frauen so häufig und doch wird so selten offen darüber gesprochen: vaginale Infektionen. Fast jede Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben einen Scheidenpilz oder eine andere Form der Vaginitis – manche wiederholt. Die gute Nachricht: Die meisten Infektionen lassen sich gut behandeln, wenn man die Zeichen früh erkennt und richtig handelt.

Was sind vaginale Infektionen?

Der Begriff „vaginale Infektion" oder Vaginitis umfasst verschiedene Entzündungen der Scheide, die durch unterschiedliche Erreger ausgelöst werden. Am häufigsten sind:

  • Vulvovaginale Candidose (Scheidenpilz) – ausgelöst durch Hefepilze, meist Candida albicans
  • Bakterielle Vaginose – ein Ungleichgewicht der natürlichen Scheidenflora
  • Trichomonaden-Infektion – eine sexuell übertragbare Infektion durch den Einzeller Trichomonas vaginalis

Obwohl sich die Erreger unterscheiden, haben diese Erkrankungen eines gemeinsam: Sie entstehen häufig dann, wenn das empfindliche ökologische Gleichgewicht der Scheide gestört wird.

Die Scheidenflora – ein fein abgestimmtes Ökosystem

Eine gesunde Scheide ist kein steriles Organ. Sie beherbergt Millionen von Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die durch die Produktion von Milchsäure einen sauren pH-Wert zwischen 3,8 und 4,5 aufrechterhalten. Dieses saure Milieu wirkt wie eine natürliche Schutzbarriere gegen Pilze, Bakterien und andere Krankheitserreger. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot – sei es durch Antibiotika, hormonelle Schwankungen oder äußere Einflüsse –, haben Pilze und ungünstige Bakterien leichteres Spiel. Mehr über die Zusammensetzung und Funktion der Scheidenflora erklärt die entsprechende Wikipedia-Seite ausführlich.

Scheidenpilz: Wenn Candida überhandnimmt

Bis zu 75 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer vaginalen Pilzinfektion. Der häufigste Auslöser ist der Hefepilz Candida albicans, der in kleinen Mengen normalerweise harmlos in der Scheide vorkommt – erst wenn er sich unkontrolliert vermehrt, wird er zum Problem.

Typische Ursachen für Scheidenpilz

  • Antibiotika: Sie töten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch die schützenden Laktobazillen ab
  • Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaft, Wechseljahre oder die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln können den pH-Wert verschieben
  • Geschwächtes Immunsystem: Stress, Schlafmangel oder Grunderkrankungen wie Diabetes erhöhen das Risiko
  • Feuchte, warme Kleidung: Synthetische, eng anliegende Wäsche fördert ein pilzfreundliches Mikroklima
  • Übertriebene Intimhygiene: Häufiges Duschen mit Seife oder die Verwendung von Intimsprays zerstören die natürliche Schutzflora

Woran erkennt man einen Scheidenpilz?

Die Symptome sind in der Regel gut zu unterscheiden. Typisch sind:

  • Intensiver Juckreiz im Bereich der Vulva und Scheide
  • Brennen, besonders beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr
  • Weißlicher, krümeliger Ausfluss, der an Quark oder Hüttenkäse erinnert und meist geruchlos ist
  • Gerötete, geschwollene Schleimhäute

Klingt das vertraut? Dann sollte trotzdem eine gynäkologische Abklärung erfolgen – denn andere Infektionen können ähnliche Beschwerden verursachen, erfordern aber eine ganz andere Therapie.

Behandlung von Scheidenpilz

Bei einem unkomplizierten Scheidenpilz stehen bewährte Antimykotika zur Verfügung. Das Robert Koch-Institut informiert über die Erreger und Therapieoptionen bei Candida-Infektionen. In der Praxis kommen vor allem zum Einsatz:

  • Lokale Antimykotika in Form von Vaginaltabletten, Zäpfchen oder Cremes mit Wirkstoffen wie Clotrimazol oder Miconazol – oft apothekenpflichtig und rezeptfrei erhältlich
  • Systemische Therapie mit Fluconazol als Kapsel – üblicherweise bei wiederkehrenden oder hartnäckigen Infektionen und nur auf ärztliche Verordnung
  • Probiotika und Milchsäurepräparate zur Wiederherstellung der Scheidenflora, ergänzend zur Haupttherapie

Bei häufig wiederkehrendem Scheidenpilz (mehr als viermal im Jahr) spricht man von einer rezidivierenden vulvovaginalen Candidose, die eine längerfristige Suppressionstherapie und eine gründliche Ursachensuche erfordert.

Bakterielle Vaginose – wenn das Gleichgewicht kippt

Die bakterielle Vaginose ist weltweit die häufigste urogenitale Störung bei Frauen im sexuell aktiven Alter. Sie entsteht nicht durch einen einzelnen Erreger, sondern durch ein Ungleichgewicht der vaginalen Bakteriengemeinschaft: Die schützenden Laktobazillen nehmen ab, während anaerobe Bakterien – allen voran Gardnerella vaginalis – überhandnehmen.

Das charakteristische Symptom ist ein dünnflüssiger, grau-weißlicher Ausfluss mit einem typischen fischigen Geruch, der sich nach dem Geschlechtsverkehr oder dem Kontakt mit Seife oft verstärkt. Juckreiz fehlt häufig oder ist nur schwach ausgeprägt – das ist ein wichtiger Unterschied zum Scheidenpilz. Umfassende Informationen dazu bietet auch Gesundheitsinformation.de, eine Seite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Die Behandlung erfolgt laut aktueller AWMF-Leitlinie mit Antibiotika (Clindamycin oder Metronidazol, oral oder lokal). Alternativ kommen lokale Antiseptika in Frage. Milchsäurepräparate und Probiotika können die Regeneration der Scheidenflora unterstützen und einem Rückfall vorbeugen. Detaillierte Informationen zu Diagnose und Therapie bietet das Portal Frauenärzte im Netz der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Wann unbedingt zur Gynäkologin?

Selbstbehandlung mit apothekenpflichtigen Mitteln ist bei einem erstmals aufgetretenen, unkomplizierten Scheidenpilz zwar möglich – dennoch gibt es Situationen, in denen eine gynäkologische Untersuchung unbedingt sinnvoll ist:

  • Wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten und die Diagnose unsicher ist
  • Wenn Symptome nach einer Selbstbehandlung nicht innerhalb weniger Tage abklingen
  • Wenn Infektionen regelmäßig wiederkehren
  • Während der Schwangerschaft – hier sollte jede vaginale Infektion ärztlich abgeklärt und behandelt werden, da unbehandelte Infektionen Komplikationen verursachen können
  • Wenn zusätzlich Unterleibsschmerzen, Fieber oder ungewöhnlicher Ausfluss auftreten

Prävention: Was Frauen selbst tun können

Vorbeugen ist bei vaginalen Infektionen durchaus möglich, auch wenn sich manche Faktoren wie Hormonschwankungen kaum vermeiden lassen. Hilfreiche Maßnahmen sind:

  • Atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle bevorzugen
  • Den Intimbereich nur mit lauwarmem Wasser reinigen – keine Seifen oder parfümierten Produkte verwenden
  • Nach Antibiotika-Einnahme Probiotika gezielt einsetzen, um die Scheidenflora zu regenerieren
  • Auf übermäßiges Scheidenspülen (Vaginal-Duschen) verzichten
  • Bei Diabetes: auf eine gute Blutzuckereinstellung achten

Vaginale Infektionen sind weit verbreitet und gehören zu den häufigsten Gründen für einen Besuch bei der Frauenärztin – ohne jeden Grund zur Scham. Wer Beschwerden ernst nimmt und frühzeitig handelt, kann in den allermeisten Fällen schnell Linderung finden und die natürliche Balance der Scheidenflora wiederherstellen.