Dipl Med Schmid

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Erkennung und Behandlung

· Dipl.-Med. Kristin Schmid
Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Erkennung und Behandlung

Viele Frauen leben jahrelang mit unregelmäßigen Zyklen, hartnäckigen Hautproblemen oder unerklärlicher Gewichtszunahme – ohne zu wissen, dass hinter all dem eine einzige Ursache stecken kann: das Polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCOS. Es ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und betrifft laut aktuellen Schätzungen weltweit zwischen 8 und 13 Prozent aller Frauen dieser Altersgruppe. Und trotzdem bleibt PCOS in bis zu 70 Prozent der Fälle unentdeckt.

Was ist PCOS überhaupt?

Beim Polyzystischen Ovarialsyndrom handelt es sich nicht um eine einzelne Erkrankung mit einem klaren Auslöser, sondern um ein komplexes Syndrom – also ein Zusammenspiel mehrerer Symptome und Stoffwechselveränderungen. Im Mittelpunkt steht ein gestörtes hormonelles Gleichgewicht: Die Eierstöcke produzieren zu viele männliche Geschlechtshormone (Androgene), insbesondere Testosteron. Das beeinflusst den Eisprung, die Eierstockfunktion und zahlreiche weitere Körperfunktionen.

Der Name leitet sich von einem typischen Ultraschallbefund ab: Auf den Eierstöcken finden sich viele kleine, unreife Follikel, die perlschnurartig angeordnet sind. Diese „Zysten" sind jedoch keine echten Zysten im medizinischen Sinne, sondern aufgehaltene Follikelentwicklungen.

Wie äußert sich PCOS?

Das Tückische an PCOS ist seine Vielgestaltigkeit. Nicht jede Frau zeigt dasselbe Bild. Typische Anzeichen sind:

  • Zyklusstörungen – unregelmäßige, sehr seltene oder ganz ausbleibende Menstruationsblutungen (Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe)
  • Ausbleibender Eisprung – was die Fruchtbarkeit erheblich einschränken kann
  • Hyperandrogenismus – übermäßige Körper- und Gesichtsbehaarung (Hirsutismus), Akne, fettiges Haar oder androgenetischer Haarausfall
  • Polyzystische Ovarien im Ultraschall
  • Insulinresistenz – die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin, was zu Gewichtszunahme und einem erhöhten Diabetesrisiko führen kann
  • Psychische Belastung – Frauen mit PCOS leiden überdurchschnittlich häufig unter Depressionen und Angstzuständen

Zwischen 50 und 80 Prozent der Frauen mit PCOS sind übergewichtig – aber auch normalgewichtige Frauen können betroffen sein. Das Körpergewicht ist also kein verlässliches Ausschlusskriterium.

Diagnose: Wie wird PCOS festgestellt?

Die Diagnose PCOS stellt ein Frauenarzt anhand der sogenannten Rotterdam-Kriterien. Mindestens zwei der folgenden drei Punkte müssen erfüllt sein:

  1. Klinischer und/oder biochemischer Hyperandrogenismus
  2. Ovulatorische Dysfunktion (Zyklusstörungen)
  3. Polyzystische Ovarien im Ultraschall oder erhöhter AMH-Wert im Blut

Letzteres – der AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) – wurde erst mit der überarbeiteten internationalen Leitlinie von 2023 als offizielles Diagnosekriterium aufgenommen. Das zeigt, wie aktiv die Forschung in diesem Bereich ist.

Welche Untersuchungen sind nötig?

Beim Frauenarzt werden in der Regel folgende Schritte durchgeführt:

  • Ausführliches Gespräch über Zyklusgeschichte, Symptome und Familienanamnese
  • Gynäkologische Untersuchung inkl. transvaginalem Ultraschall zur Beurteilung der Eierstöcke
  • Blutentnahme zur Bestimmung von Hormonen wie Testosteron, SHBG, DHEAS, Androstendion, LH, FSH, AMH sowie Blutzucker- und Insulinwerten
  • Ausschluss anderer Ursachen, z. B. Schilddrüsenerkrankungen oder ein adrenogenitales Syndrom

Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie bietet Ärztinnen und Ärzten einen detaillierten Rahmen für Diagnostik und Therapie.

Behandlungsmöglichkeiten: Was hilft bei PCOS?

Eine vollständige Heilung von PCOS ist bislang nicht möglich. Aber: Die Erkrankung lässt sich sehr gut behandeln, und viele Frauen führen damit ein beschwerdefreies, erfülltes Leben – einschließlich Schwangerschaften. Die Therapie richtet sich immer nach den individuellen Beschwerden und dem Kinderwunsch.

Lebensstiländerungen als Basis

Schon moderate Veränderungen im Alltag können einen deutlichen Unterschied machen. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung verbessern die Insulinsensitivität, regulieren den Hormonhaushalt und wirken sich positiv auf Gewicht und Zyklus aus. Bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent kann bei übergewichtigen Frauen mit PCOS die Zyklusregelmäßigkeit spürbar verbessern.

Medikamentöse Therapie

  • Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (Pille) gelten als First-line-Therapie bei Frauen ohne Kinderwunsch. Sie regulieren den Zyklus und reduzieren die Androgenproduktion.
  • Metformin – ursprünglich ein Diabetesmedikament – kann bei Insulinresistenz und metabolischen Beschwerden eingesetzt werden.
  • Clomifen oder Letrozol kommen bei Frauen mit Kinderwunsch zur Ovulationsinduktion zum Einsatz.
  • Bei starkem Hirsutismus können antiandrogene Wirkstoffe zusätzlich verordnet werden.

Psychologische Unterstützung nicht vergessen

Die emotionale Last der Erkrankung wird oft unterschätzt. Zyklusunregelmäßigkeiten, Körperbildprobleme und der Druck rund um das Thema Fruchtbarkeit können sich tief auf das Wohlbefinden auswirken. Selbsthilfegruppen wie der PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V. bieten Austausch, Informationen und Gemeinschaft für Betroffene.

Leben mit PCOS: Was Frauen wissen sollten

PCOS ist kein Schicksal, das einfach hingenommen werden muss. Die Erkrankung erfordert Aufmerksamkeit – und eine gute, vertrauensvolle Begleitung durch eine Fachärztin für Frauenheilkunde, die die individuellen Bedürfnisse kennt und ernst nimmt.

Wichtig ist außerdem das Langzeit-Bewusstsein: Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim PCOS Frauenarzt sind daher kein Luxus, sondern essenziell. Umfassende Informationen für Patientinnen bietet auch das Nationale Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums.

Frauen, die bei sich Anzeichen eines PCOS vermuten – sei es ein unregelmäßiger Zyklus, Haarwachstum an ungewohnten Stellen oder anhaltende Akne – sollten das Gespräch mit ihrer Gynäkologin suchen. Eine frühe Diagnose ist der erste und wichtigste Schritt zu einem selbstbestimmten Umgang mit der Erkrankung.