Myome und Ovarialzysten: Erkennung und Behandlungsmöglichkeiten
Kaum eine Frau, die den Ultraschall beim Frauenarzt kennt, ohne diese Aussage gehört zu haben: „Da sehe ich eine kleine Zyste" oder „Das könnte ein Myom sein." Beide Befunde klingen im ersten Moment beunruhigend – sind aber meistens weit weniger dramatisch, als der Name vermuten lässt. Trotzdem wirft jede Diagnose Fragen auf: Was ist das genau? Muss ich etwas tun? Und wenn ja, was?
Was sind Myome – und wie entstehen sie?
Myome sind gutartige Muskelknoten, die in der Wand der Gebärmutter wachsen. Sie bestehen aus Muskelgewebe und Bindegewebe und können winzig klein sein – kaum weniger als ein Zentimeter – oder in seltenen Fällen die Größe einer Grapefruit erreichen. Die meisten Frauen wissen gar nicht, dass sie Myome haben, weil sie keinerlei Beschwerden verursachen.
Schätzungen zufolge entwickelt etwa jede dritte bis vierte Frau im gebärfähigen Alter irgendwann Myome. Laut dem Portal frauenaerzte-im-netz.de sind Myome die häufigsten gutartigen Tumoren der Gebärmutter überhaupt.
Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Klar ist, dass das weibliche Sexualhormon Östrogen ihr Wachstum begünstigt – deshalb entstehen Myome fast ausschließlich im gebärfähigen Alter und bilden sich nach den Wechseljahren häufig von selbst zurück, wenn der Östrogenspiegel sinkt.
Wo können Myome sitzen?
Je nach Lage unterscheidet man drei Haupttypen:
- Subseröse Myome wachsen nach außen, Richtung Bauchhöhle.
- Intramurale Myome sitzen mitten in der Gebärmutterwand – der häufigste Typ.
- Submuköse Myome wachsen nach innen, in die Gebärmutterhöhle, und können die Schleimhaut verformen.
Diese Lage entscheidet oft darüber, ob und welche Beschwerden auftreten.
Symptome, die auf Myome hinweisen können
Viele Frauen bemerken ihre Myome nie. Wenn doch Beschwerden entstehen, hängen diese oft von Größe und Position der Knoten ab:
- Ungewöhnlich starke oder verlängerte Regelblutungen
- Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch
- Häufiger Harndrang, wenn das Myom auf die Blase drückt
- Rückenschmerzen im unteren Bereich
- Beim Kinderwunsch: mögliche Beeinträchtigung der Einnistung
Nicht jedes Symptom bedeutet automatisch, dass ein Myom behandelt werden muss. Entscheidend ist das Gesamtbild.
Was sind Ovarialzysten?
Anders als Myome entstehen Ovarialzysten nicht in der Gebärmutter, sondern an den Eierstöcken. Es handelt sich um mit Flüssigkeit oder Gewebe gefüllte Hohlräume, die von einer Kapsel umgeben sind. Wie gesundheitsinformation.de erklärt, sind die meisten davon sogenannte funktionelle Zysten – sie entstehen im normalen Zyklusgeschehen und haben nichts Besorgniserregendes.
Funktionelle versus pathologische Zysten
Die häufigsten Arten sind:
Follikelzysten entstehen, wenn der Follikel, der die Eizelle enthält, beim Eisprung nicht platzt, sondern sich weiter mit Flüssigkeit füllt. Sie verschwinden meist innerhalb weniger Wochen von selbst.
Gelbkörperzysten bilden sich nach dem Eisprung, wenn sich Flüssigkeit im Gelbkörper sammelt. Auch sie lösen sich in der Regel nach einer oder zwei Regelblutungen auf.
Endometriosezysten (auch Schokoladenzysten genannt) sind eine andere Kategorie: Hier hat sich Gebärmutterschleimhaut am Eierstock angesiedelt. Diese Zysten bilden sich nicht von selbst zurück und gehören in spezialisierte gynäkologische Behandlung.
Wenige Zysten erweisen sich als gutartige Geschwülste wie Dermoide oder Zystadenome – und in sehr seltenen Fällen kann eine Zyste auf ein Ovarialkarzinom hindeuten, weshalb auffällige Befunde immer sorgfältig abgeklärt werden sollten.
Wie werden Myome und Ovarialzysten diagnostiziert?
Die wichtigste Untersuchungsmethode ist der vaginale Ultraschall. Mit einer kleinen Sonde, die in die Scheide eingeführt wird, lassen sich Gebärmutter und Eierstöcke sehr genau beurteilen – besser als von außen über den Bauch. Myome erscheinen im Bild als echoarme oder echoreiche Knoten, Zysten als runde, flüssigkeitsgefüllte Strukturen.
Bei unklaren Befunden kann eine MRT-Untersuchung mehr Klarheit schaffen, etwa wenn mehrere Myome die Gebärmutter stark verändern oder ein komplexer Zystenbefund vorliegt. Zusätzlich können Blutuntersuchungen (z. B. der Tumormarker CA-125) Hinweise geben, ersetzen aber nie die bildgebende Diagnostik.
Regelmäßige gynäkologische Kontrolluntersuchungen sind deshalb so wichtig: Viele Befunde werden zufällig entdeckt, lange bevor sie Probleme verursachen könnten.
Behandlungsoptionen: Von Abwarten bis zur Operation
Abwarten und beobachten
Nicht jeder Befund braucht sofort eine Behandlung. Bei kleinen, beschwerdefreien Myomen und bei funktionellen Zysten ist watchful waiting – also abwartendes Beobachten mit regelmäßigen Ultraschallkontrollen – die erste Wahl. Laut gesundheitsinformation.de zu Myomen ist eine aktive Therapie nur dann nötig, wenn Beschwerden bestehen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigt wird oder das Myomwachstum auffällig ist.
Hormonelle Behandlung
Bestimmte Hormonpräparate können Myome verkleinern und Beschwerden lindern. Dazu gehören:
- GnRH-Agonisten und -Antagonisten: Sie senken den Östrogenspiegel vorübergehend und können Myome schrumpfen lassen – werden aber meist nur kurzfristig eingesetzt, weil sie wechseljahrähniliche Nebenwirkungen haben können.
- Gestagen-haltige Spirale: Kann bei myombedingten Blutungsstörungen helfen.
- Ulipristalacetat: War zeitweise für die Myombehandlung zugelassen, ist aber wegen Lebersicherheitsbedenken derzeit in Europa nicht mehr im Einsatz.
Die hormonellen Optionen und ihre Nebenwirkungen sollten immer im persönlichen Gespräch mit der Gynäkologin besprochen werden – was für eine Frau passt, kann für eine andere ungeeignet sein. Frauenaerzte-im-netz.de gibt dazu einen guten Überblick.
Minimal-invasive Verfahren
Myomembolisation: Hierbei werden die Blutgefäße, die das Myom versorgen, durch einen Eingriff über die Leiste verschlossen. Ohne Blutversorgung schrumpft das Myom. Dieses Verfahren eignet sich nicht für jeden, bietet aber eine Alternative zur Operation bei Frauen, die die Gebärmutter erhalten möchten.
Fokussierter Ultraschall (MRgFUS): Ein relativ neues, nicht-invasives Verfahren, bei dem Myome durch gebündelte Ultraschallwellen erhitzt und zerstört werden. Es ist noch nicht überall verfügbar, zeigt aber vielversprechende Ergebnisse.
Operative Behandlung
Wenn Myome stark Beschwerden verursachen oder andere Methoden nicht anschlagen, kommen operative Eingriffe in Betracht:
- Myomenukleation: Nur die Myome werden entfernt, die Gebärmutter bleibt erhalten. Wichtig für Frauen mit Kinderwunsch.
- Hysterektomie: Vollständige Entfernung der Gebärmutter – eine endgültige Lösung, die nur bei abgeschlossener Familienplanung und starkem Leidensdruck in Frage kommt.
Bei Ovarialzysten, die nicht verschwinden oder verdächtig erscheinen, erfolgt meist eine Laparoskopie (Bauchspiegelung): Die Zyste wird minimalinvasiv entfernt, der Eierstock meist erhalten.
Myome und Kinderwunsch
Ob Myome die Fruchtbarkeit beeinflussen, hängt stark von ihrer Lage ab. Submuköse Myome, die in die Gebärmutterhöhle ragen, können die Einnistung der Eizelle erschweren. In solchen Fällen empfiehlt sich eine Behandlung vor einer geplanten Schwangerschaft. Bei anderen Myomtypen ist der Einfluss auf die Fertilität geringer – hier lohnt sich ein individuelles Gespräch, bevor vorschnell operiert wird.
Wann sofort zur Gynäkologin?
Einige Zeichen sollten nicht bis zum nächsten Routinetermin warten:
- Plötzlich starke Schmerzen im Unterbauch (mögliche Zystenruptur oder Stieldrehung)
- Sehr starke, ungewöhnliche Blutungen
- Fieber in Kombination mit Unterleibsschmerzen
Eine Stieldrehung – wenn sich eine Zyste um ihren eigenen Stiel dreht und damit die Blutversorgung unterbricht – ist ein gynäkologischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss.
Myome und Ovarialzysten sind häufige Befunde, mit denen viele Frauen irgendwann konfrontiert werden. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind sie harmlos und erfordern keine sofortige Behandlung. Entscheidend ist eine kompetente gynäkologische Begleitung, die den Befund einordnet, regelmäßig kontrolliert und – wenn nötig – die passende Therapie empfiehlt. Wer verunsichert ist, sollte offen das Gespräch suchen und ruhig nachfragen, bis alle Unklarheiten beseitigt sind.